Spiele am Abhang

Dieser Beitrag ist Teil 7 von 8 der Serie Westerwald 2016

Das Ende der Westerwäld

Marienstatt ist überraschender Weise nicht Marienthal, auch wenn beide ein Kloster haben … wenn auch sonst nicht viel. Nachdem ich zu dieser Erkenntnis auch gekommen war, ging es per Auto weiter nach Marienthal und von dort ans „Ende der Welt“.

Heute haben wir statt einer großen und einer kleinen Runde zwei mittlere Runde von 13 und 1o km gemacht, aber beide mir vergleichsweise viel Steigungen.

16-09-17Westerwald01Die erste ging beim Kloster Marienthal los und folgte dem Pilgerpfad zwischen den Klöstern Marienstatt und Marienthal. Später trafen wir auf den Westerwaldsteig, dem wir dann zurück nach Marienthal folgten.

16-09-17Westerwald02Der Anfang war eher unspektakulär, aber als wir an Ende der Welt kamen wurde es echt anstrengen und wirklich schön.

16-09-17Westerwald08Anstrengend weniger wegen des Auf und Ab als vielmehr, weil man auf einem ca. 20cm breiten Pfad entlang eines „Abhangs“ über Steine und Wurzeln musste. Ich muss gestehen, der „Abhang“ war nicht so steil und tief, dass sich meine Höhenangst meldete. Insofern war er für mich ohne Überwindung zu laufen. Aber frustrierend war es schon. Ich habe nämlich vor Augen geführt bekommen, dass es zwei Möglichkeiten gibt, wie man über unwegsame Stellen wie Wurzeln, Steine oder Durchbrüche kommt: die eine Variante dauert 0,1 Sekunden die andere 10-15 Sekunden.

16-09-17Westerwald11Für Variante 1 muss man nur wenige Bedingungen erfüllen:

  • Sich dem Hindernis in leichtem Joggingtempo entspannt nähern. Auch wenn es gerade steil den Berg rauf geht.
  • Den Absprung passend kalkulieren.
  • Hinten Abdrücken
  • Vorne Aufsetzen
  • Vorne Weiterdrücken
  • Hinten dort aufsetzen, wo gerade noch das andere Bein war
  • Weiterlaufen
  • Ferner muss man
    • groß genug für das Hinterdnis sein
    • gerne springen
    • eine Angst habe zu fallen oder stürzen
    • und über 4 Beine und 4 Pfoten verfügen
  • Zeitaufwand: 0,1 Sekunden

Die andere Variante basiert auf zwei Beinen und einem gesunden Selbsterhaltungstrieb. Dauert dafür aber auch 10-15 Sekunden pro Hindernis.

Shadow hatte so einen Spass auf dem Teilstück, dass er auf die Idee kam, mich zum Spielen aufzufordern: er blieb auf dem Weg sitzen und strahlte mich an, gab Pfötchen, zeigte Bäume an und was ihm sonst noch so einfiel, was er machen könnte, um Leckerchen zu bekommen. Nur den Befehl „Voraus“ ignorierte ihn, oder deutete ihn schnell um zu: „zeig Baum“ … was ein Hochspringen an einem Baum ist, auf den ich zeige, mit anschließender Leckerchenabholung.

16-09-17Westerwald19Nach dem Ende der Welt nahm er ein Bad im Fluss und trank ausgiebig. Danach war er scheinbar schwer stolz auf seine Leitung, und das kühle Bad tat sein Übriges: er beim steilen Aufstieg, der dem Fluss folgte, einen Tobsuchtsanfall. Das ist wörtlich zu verstehen: er rennt dann los wie ein Bekloppter, bis die Leine zuende ist, dreht um rast auf mich zu, entweder durch meine Beine oder um mich rum und das wird beliebig oft wiederholt. Beim ersten Durchgang muss er aber erstmal rausfinden, wie lang die Leine ist, ist meist ein ganz schöner Einschlag. Dieses mal flog meine Brille. Hat ganz schön gedauert, bis ich sie im Laub wiedergefunden habe.

16-09-17Westerwald24Später kamen wir an einem Rehgehege vorbei. Dort habe ich das erste Mal bewußt den Laut gehört, den Rehe von sich geben. Wahrscheinlich hab ich den schon öfter gehört und für einen Raubvogelruf gehalten. Ganz ehrlich, diesen Laut hätte ich nie und nimmer einem Reh zugeordnet. Da eines der Rehe aber nicht aufhörte zu „rufen“, war die Quelle des Rufs eindeutig.

Anschließend sind wir noch zwei übellaunigen Hunden begegnet, aber sonst war der Rückweg ereignislos.

Bei der Klostergastronomie hab ich zwei Kaffe und eine Waffel mit Vanilleeis gegessen. Shadow hat sich sofort in die Bedienung verliebt. Was ausgesprochen ungewöhnlich ist, da er normalerweise alle Menschen ignoriert, die er nicht kennt. Bei der Bedienung, einer jungen Frau, hatte er aber sofort Herzchen in den Augen: jedes Mal, wenn sie kam, egal ob sie ihm Wasser oder mir Kaffee brachte, setzte er sich sofort mit durchgedrücktem Rücken hin, strahlte sie mit seinem betörenden „Ich-liebe-dich-gib-mir-was-zu-Essen“-Blick an.

Nach dem Break ging es weiter zur zweiten Runde. Sie war im Großen und Ganzen womit ich gerechnet hatte, nämlich ereignislos: keine kulturellen Höhepunkte, fast keine Menschen (zwei Reiter, ein Mann mit Hund), viel Auf und Ab aber nicht wirklich anstrengend. Also eher was für die Statistik: 10km und 237 Höhenmeter.

Ausnahme war die Hündin, die wir kurz vor dem Ende trafen. Es war eine 8 Jahre alte Rottweiler-Mischlings-Hündin. Shadow hat sie sofort als Spielgefährtin auserkoren: kein großes Brimborium, kein Schnüffeln, gleich drauf los spielen, was ihr scheinbar auch gerade in den Kram passte. Es wurde gerannt und rum-gebollert. Was ich nach 22km und über 500 Höhenmeter echt sportlich fand.

16-09-17Westerwald32Was auch eindrucksvoll war, war der völlige Farbverlust der Vegetation neben dem Steinbruch. Wahrscheinlich wegen des langen Zeitraums ohne Regen.

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Danach ging es nur noch in unsere heutige Unterkunft, das „Landhaus im kühlen Grunde“. Irgendwie tut es mir um das Landhaus schon jetzt leid. Ich glaube nicht, dass die sich lange halten werden: Übernachtung 30 Euro, 250g Rumsteak in Pfeffersauce mit Pommes 13,5 Euro, Weizenbier 2,70 Euro / 500ml. Das ist zu günstig, als das es sich rechnen kann. Zumal es aktuell absolut keine Absteige ist und das Essen war ganz hervorragend! Aber es ist 21:19h und ich bin seit bestimmt 10 Minuten der letzte Gast.

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